Reto Spring
Präsident Finanzplaner Verband Schweiz

«Spare in der Zeit, so hast du in der Not»: Zugegebenermassen, das etwas in die Jahre gekommene Motto mag überholt tönen, hat aber im Kern nach wie vor etwas Wahres. Die Position Sparen, und möge sie noch so klein sein, gehöre bis zur Pensionierung grundsätzlich in jedes Budget, betont denn auch Finanzplaner Reto Spring. Dabei muss das Sparen dem zur Verfügung stehenden Budget angepasst werden. Ebenso wichtig ist die Disziplin beim Sparen: Ein möglichst regelmäs­siger Sparrhythmus zahlt sich aus. «Ob man besser über ein Zinskonto, einen Anlagefonds oder eine Lebensversicherung sparen will, hängt davon ab, ob man über ein geregeltes Einkommen und ausreichend Liquidität verfügt und man zudem in der Lage und bereit ist, gewisse Risiken einzugehen», sagt Spring.

Vorsorgen ohne Sorgen
Idealerweise sollte mit Alter 50 der dritte Lebensabschnitt und damit die Pensionsplanung angegangen werden. Eine Standortbestimmung zu diesem frühen Zeitpunkt schafft Klarheit, wo man bezüglich Budgetsicherheit, Steuern, gesichertem Einkommen, Anlagen und Nachlassregelung steht. «Viele Menschen geben sich Illusionen hin, dass sie genügend gespart hätten und ein Aufschub dieses Themas keine Konsequenzen habe. Nach 60 ist es aber zu spät, weil kein Spielraum mehr besteht, Massnahmen zu treffen und Vorsorgelücken zu schliessen», warnt Reto Spring. Generell werde der Zinseszins-­Effekt unterschätzt und die eigene Fähigkeit, sich im Alter einzuschränken, überschätzt. In der Praxis gibt es zudem viele Fälle, in denen ab Alter 60 das Arbeitspensum reduziert, eine vorzeitige Pensionierung ins Auge gefasst wird oder Leistungen der IV in Anspruch genommen werden müssen. «Gut beraten ist, wem die Pensionsplanung den gewohnten Lebensstandard trotzdem sichern kann», so Spring.

Eigene Pensionskasse prüfen
«Das grösste Optimierungspotenzial liegt vorwiegend bei der Pensionskasse und der dritten Säule», erläutert ­Reto Spring. Das 3a-Sparen sollte soweit möglich immer voll ausgeschöpft werden. Einkäufe in die zweite Säule können vor allem in den letzten Jahren vor der Pensionierung grosse steuerliche Vorteile bieten: Eine gestaffelte Einzahlung reduziert das steuerbare Einkommen und die Einkäufe erhöhen die lebenslange BVG-Rente. Allerdings gilt es, vorher den Zustand der eigenen Pensionskasse zu prüfen: Deckungsgrad, Umwandlungssatz und das jeweilige Reglement sind nur einige Stichworte. Und auch die eigene Lebenssituation wie Partnerschaft, Nachkommen und Gesundheitszustand spielen eine wichtige Rolle für diese Entscheidung. Die Vorteile liegen jeweils schnell bei einigen tausend Franken pro Jahr. Wer allerdings schon fürs Eigenheim einen Bezug von BVG-Geldern getätigt hat, muss diesen erst zurückzahlen, bevor zusätzliche Einzahlungen steuerlich absetzbar gemacht werden können.

Sorgfälltigen Pensionsplan erstellen
Die Geldanlage sei in der Regel eine individuelle Angelegenheit, betont Reto Spring. Ob Fonds, Aktien, Obligationen oder Einmalprämienversicherungen muss im Einzelfall geprüft werden. Hohe Renditeaussichten sind untrennbar mit entsprechend hohen Risiken verbunden. Eine absolute Sicherheit gibt es nicht. Die «Finanzrepression», die schleichende Enteignung durch Inflation, vermindert das Vermögen – alles Geld auf dem Konto zu horten, ist also auch keine gute Idee. Neben dem gesicherten Renteneinkommen aus AHV und Pensionskasse sollte auch der Vermögensverzehr kontrolliert erfolgen.

«Vorfreude und Vorsorge auf den dritten Lebensabschnitt gehören
zusammen.»

Bei einem sinnvollen Anlage-Mix unter Berücksichtigung von Kosten und Steuern sei es wichtig, nur in Produkte zu investieren, die man versteht und die zu einem passen, rät Spring. «Eine frühzeitige Planung ist das A und O bei der Vorsorge. Am besten erstellt man einen sorgfälltigen Pensionsplan und lässt sich professionell und gesamtheitlich beraten», fasst Spring zusammen. Und wer nicht nur finanzielle Aspekte berücksichtigt, sondern sich auch mit den Themen Gesundheit, Wohnen, Beziehungsnetz, Tagesablauf, Lebenssinn auseinandersetzt, der könne sich wahrlich auf die «längsten Ferien» freuen: «Vorfreude und Vorsorge auf den dritten Lebensabschnitt gehören zusammen.»