Viele ältere Menschen möchten so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben. Die Bereitschaft der jungen Generation zur Hilfestellung nimmt jedoch ab – freilich nicht nur aus eigennützigen Gründen.

Die Kinder und Kindeskinder sind selbst mit Nachwuchs und Beruf ausgelastet. Doch das bäuerliche Wohnmodell, in dem die Grosseltern die letzten Lebensjahre im einem «Stöckli» im Familienwohnhaus verbringen durften, sind unwiederbringlich vorbei.

Bedarf steigt an

Der Bedarf an Pflege und Betreuung wird also schon in wenigen Jahren noch weiter ansteigen, denn die Verteilung der Arbeit zwischen Familienangehörigen und professionellen Betreuern verlagert sich zunehmend.

Bekanntlich sorgt die demografische Entwicklung auch in der Schweiz für eine zunehmende Überalterung. Die Lebenserwartung wird sich weiter erhöhen.

Doch selbst wenn sich ältere Menschen die Gesundheit im Alter erhalten können, ist mit einer steigenden Anzahl von Pflegebedürftigen zu rechnen.

Der Anteil von Kinderlosen erhöht sich, was sich auf die intergenerationelle Pflege auswirken wird. Aufgrund des Altersunterschieds werden Männer in den letzten Lebensjahren häufiger von der eigenen Partnerin gepflegt als umgekehrt.

Unterschiede zwischen Nord- und Südeuropa

Aufgrund der Alterung der Bevölkerung ist diese Entwicklung in fast allen europäischen Ländern zu erwarten.

Interessanterweise zeigen sich Unterschiede zwischen Nord- und Südeuropa: während in südlichen Ländern die Familienstrukturen traditionell stark sind, behält die familiäre Pflege einen höheren Stellenwert als etwa in nordischen Ländern.

Diese sind geprägt durch eine stärkere berufliche Einbindung der Frau und vergleichsweise schwächere familiäre Bindungen.

In erster Linie nimmt die Hilfebedürftigkeit zu, in der Phase vor der Pflegebedürftigkeit. In dieser Zeit sind übliche Alltagsaktivitäten weiterhin möglich.

Früh wird Unterstützung insbesondere bei Baden und Duschen notwendig. Etwa ein Drittel der über 85-Jährigen ist im Alltag eingeschränkt – die Hälfte davon stark.

Anzeichen, wann ältere Menschen Hilfe benötigen:

  • Kochen: Wenn die Eltern eher Fertiggerichte und kalte Speisen essen, weil Kochen zeitaufwendig ist und das Gedächtnis strapaziert.
  • An- und ausziehen: Wenn die Eltern nicht mehr so sorgfältig auf ihre äussere Erscheinung achten, weil das An- und Ausziehen schwieriger wird.
  • Sauberkeit und Hygiene: Sind Baden und Duschen zunehmend erschwert (auch aufgrund der Angst vor Stürzen in Nasszellen), wird die Hygiene vernachlässigt.
  • Umgebungsarbeiten: Am Garten ist schnell zu sehen, ob körperliche Aktivitäten eingeschränkt sind.
  • Administrative Aufgaben: Ob selbst einfache administrative Arbeiten nicht mehr wahrgenommen werden, zeigt sich, wenn die Briefpost ungeöffnet bleibt.