Andrea, wie hat sich dein Reiseverhalten verändert, seitdem du Mutter geworden bist?

Ich plane viel mehr im Voraus als früher. Während meiner Backpacking-Zeiten wusste ich selten, wo ich die nächste Nacht verbringen würde. Heute plane ich eine Reise mehr oder weniger durch, lasse aber Luft für Planänderungen und notiere mir Stornierungsdaten.

Unsere fast dreimonatige USA/Hawaii-Reise 2015 war durchgeplant, allerdings schmissen wir in den letzten vier Wochen alles über Bord und folgten unseren neu entstandenen Wünschen.

Wie plant man eine Familienreise richtig?

Früh genug wäre gut! Das schaffen wir leider selten, da wir immer Mühe haben, uns festzulegen. Generell recherchiere ich viel. Dazu nutze ich primär Blogs, da dort im Vergleich zu klassischen Reiseführern konkrete eigene Erfahrungen über das Reisen mit Kindern miteinfliessen, was oft mehr bringt.

Was sind typisch kritische Momente, denen man im Familienurlaub irgendwann begegnet?

Wahrscheinlich jener, wenn man als Eltern gerne mit einem Glas Weisswein den Sonnenuntergang geniessen würde, die Kinder aber ganz anderes im Sinn haben.

So findet man sich oft während der Instagram-würdigen Momente beim Pastakochen oder am Windelnwechseln.

Hat man das aber einmal akzeptiert, «isch es halt, wie’s isch». Wirklich kritisch wird es, wenn ein Kind ernsthaft erkrankt. Auf das kann man sich leider nicht wirklich vorbereiten.

Was gehört unbedingt in die Reisetasche von Eltern mit Kleinkindern?

Nebst der üblichen Windelausstattung empfehle ich sicher ein Ersatz-Schmusetier. Wir haben bestimmt schon vier Stoffbären auf der ganzen Welt verteilt. Wir haben auch immer mehrere Nuggis der richtigen Marke, Duct-Tape, Schnur, Ziploc-Säcke und Wäscheklammern dabei. Eltern werden von Natur aus zum MacGyver (lacht).

Dein bevorzugtes Reisefortbewegungsmittel mit Kindern?

Mit kleinen Kindern finde ich vor Ort ein Mietauto am komfortabelsten, weil man individuell reisen kann. Eine 18-stündige Busfahrt würde ich weder meinen Kindern noch uns Eltern antun.
 
Welche Reisedestinationen eignen sich besonders gut für Familien mit Kindern?

Jede, sofern man sich darauf einlässt. Im Hinblick auf das Alter meiner Kinder – sie sind viereinhalb, zweieinhalb Jahre und drei Wochen alt – bevorzuge ich warme Destinationen, da man weniger packen muss und die Kids schneller angezogen sind.

Typische «Familienferien» sind nicht so unser Ding. Wir wählen Destinationen nach unseren Interessen und stellen sicher, dass es vor Ort auch für die Kinder interessant bleibt.

Gibt es Destinationen, wohin ihr eure Kinder ( noch ) nicht mitnehmen würdet?

Grössere Safaris oder Bhutan, das ganz oben auf meiner Wunschliste steht, möchten wir uns noch etwas aufsparen. Die Kinder haben mehr davon, wenn ihre Aufmerksamkeitsspanne etwas grösser ist und sie auch etwas länger laufen mögen.

Vermisst du das Reisen ohne Kinder?

Nein. Ich hatte das grosse Glück, während Jahren privat und beruflich für das Schweizer Fernsehen die Welt zu bereisen und Menschen zu begegnen, die ich sonst nie getroffen hätte.

Natürlich gibt es Momente unterwegs, in denen man gerne etwas unternehmen würde, das mit den Kids nicht machbar ist. Damit zu hadern, bringt aber nichts. Lieber freue ich mich über Dinge, die wir dennoch tun – sei es eine Wanderung über den Kalalau-Trail in Hawaii oder in die Gornerschlucht in Zermatt.

Info

Andrea Jansen führt den Blog anyworkingmom.com