Leider sind auch Tiere relativ häufig von Krebserkrankungen betroffen. Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich jedoch auch in der Tiermedizin deutlich verbessert und nahezu alle Therapien, die in der Humanmedizin eingesetzt werden, werden auch bei Tieren gewünscht und angewendet.

Als ergänzende oder alleinige Therapie hat sich in den letzten 100 Jahren die anthroposophische Misteltherapie einen Namen gemacht. Dabei hat sich in zahlreichen Studien gezeigt, dass Mistelextrakte in verschiedenen Bereichen der Tumorerkrankung wirken. Die Wirkstoffe stimulieren das Immunsystem zur besseren Eigenabwehr, wirken aber auch direkt auf den Tumor. «Seit bald 20 Jahren wird die Misteltherapie in der Tiermedizin angewendet.

Und es zeigen sich sehr gute Erfolge», sagt die Tierärztin Ulrike Biegel. Sie wendet dazu ein bestimmtes Präparat an, das sogenannte Iscador. Dabei handelt es sich um ein fermentiertes wässriges Extrakt, das aus Misteln verschiedener Wirtsbäume hergestellt wird. Iscador ist das älteste und am häufigsten verordnete Mistelpräparat.

Misteltherapie für jedes Tier geeignet

Grundsätzlich kann die Misteltherapie bei jedem Tier angewendet werden. «Bei uns werden vorwiegend Hunde, Katzen, Pferde, Kaninchen, Meerschweinchen und sehr selten auch Vögel mit der Misteltherapie behandelt», betont Biegel. Wichtig sei laut Biegel in jedem Fall, dass die Tiere diagnostisch genau abgeklärt werden.

Nur so könne beurteilt werden, welche Therapien den grössten Nutzen bringen. Die Misteltherapie kann vor einer Tumoroperation angewendet werden. «Hier hat sich gezeigt, dass sich der Tumor dann oft besser abgrenzt von gesundem Gewebe und sich damit leichter operieren lässt», so Ulrike Biegel.

Postoperativ kann die Misteltherapie häufig verhindern, dass der Tumor als Rezidiv wiederkehrt oder dass Metastasen entstehen beziehungsweise deren Wachstum hemmen. Auch palliativ kann eine Misteltherapie die Lebensqualität des Tieres deutlich verbessern und teilweise die Lebensdauer verlängern.

Kaum Nebenwirkungen

Schaden kann man mit Misteltherapie keinen anrichten. «Obschon man immer sagen muss, dass alles, was Wirkung hat, potenziell auch Nebenwirkungen haben kann», sagt die Tierärztin. Dennoch hat sie bei der Misteltherapie noch keine schweren Nebenwirkungen erlebt.

Was hin und wieder berichtet wird, ist die Tatsache, dass die Tiere etwas müder und schlapper sind als gewöhnlich, sie möchten dann einfach ihre Ruhe haben. Biegel geht davon aus, dass diese Symptomatik durch die Anregung des Immunsystems entsteht, ähnlich einem grippalen Infekt.

Eine positive Wirkung der Therapie zeigt sich oftmals schon nach kurzer Zeit. «Viele Tiere, die durch ihre Krankheit unruhig waren, schlafen wieder sehr tief und fest, beim Spaziergang sind sie jedoch voll da. Dann ist die Anwendung und Dosierung der Misteltherapie sozusagen perfekt.»

Sehr gute Erfolgsaussichten

Wie muss man sich die Therapie vorstellen? In der Regel wird das Mistelextrakt dreimal wöchentlich unter die Haut gespritzt. Wie oft dies wiederholt werden muss, hängt vom Erkrankungsstatus und Verlauf der Erkrankung ab.

Für Katzen und kleine Heimtiere wurde eine Therapieform mit Tropfen entwickelt, die über das Futter gegeben werden können. Die Erfolgsaussichten der Misteltherapie sind sehr gut. Allerdings betont Biegel, dass die Therapie nicht bei jedem Tier wirkt und dass man von der Mistel keine Wunder erwarten darf. «Leider gibt es Tiere, die überhaupt nicht auf die Mistel­therapie ansprechen. Die Ursache dafür ist ­bislang unbekannt.

Im überwiegenden Teil der Fälle zeigt sich aber ein sehr positiver Verlauf, sodass es Sinn macht, es zu versuchen», sagt Ulrike Biegel abschliessend.