Wie sieht der Tagesablauf eines Tierarztes im Zoo Zürich aus?
Jeden Morgen besucht ein für exotische Tiere spezialisierter Tierarzt aus unserem vierköpfigen Team aus der Klinik für Zoo-, Heim- und Wildtiere der Vetsuisse-Fakultät an der Universität Zürich die Tiere im Zoo Zürich. Eine Praxisassistentin ist immer vor Ort und gibt die Informationen der Tierpfleger weiter. Die Krankengeschichte wird in Englisch festgehalten, weil die Tiere nach Bedarf in andere europäische Zoos transportiert werden.



Die Gesundheit der Tiere wird also von einer externen Stelle, der Vetsuisse-Fakultät der Universität, betreut?
Ja genau. Die Zusammenarbeit der Universität und dem Zoo Zürich ist weltweit einzigartig und wir sind sehr stolz darauf. Denn damit können wir spezialisierte Praxiserfahrung, Ausbildung und Wissenschaft optimal miteinander verbinden.



Welche Tiere brauchen besondere Aufmerksamkeit? 
Es sind besonders junge und ältere sowie neu platzierte Tiere, welche wir besonders im Auge behalten. Einerseits beobachten die Tierpfleger körperliche Anzeichen von Krankheiten sowie das soziale Verhalten. Auch die Beobachtungen des Verhaltens innerhalb eines Tierrudels geben Rückschlüsse auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere. Beispielsweise haben wir seit ein paar Wochen ein Tigermännchen, welcher aus einem deutschen Zoo stammt. Wir haben das Tigerweibchen Elena mit dem Tigermännchen Fedor zusammengeführt. Nun beobachten wir, ob sie sich vertragen. Wir hoffen natürlich auch darauf, dass Elena und Fedor den Zoo in naher Zukunft mit Tigerbabys beglücken werden.



Werden Sie bei den Tigern eine künstliche Befruchtung durchführen?
Nein, wir haben das Glück, dass sich die Tiere im Zoo Zürich natürlich fortpflanzen. Das ist ein gutes Zeichen, denn das heisst, dass sich die Tiere wohlfühlen. Es gibt andere Zoos, die künstliche Befruchtungen durchführen. Wir sind im Zoo Zürich viel eher für die Verhütung besorgt. Dazu setzen wir verschiedene Mittel ein, zum Beispiel bei den Affen auch Antibabypillen.

Welche Art von Krankheiten sind am meisten anzutreffen bei den exotischen Tieren? Viele Krankheiten sind kulturbedingt und sind den europäischen Krankheiten sehr ähnlich, zum Beispiel Gelenk- oder Zahnprobleme. Bei Affen können Erkältungen auftreten.

Bei welcher Tierart ist die Fortpflanzung besonders geglückt?
Bei den Galapagos-Riesenschildkröten sind schon über 80 Junge im Zürcher Zoo auf die Welt gekommen. Auf diesen grossen Nachwuchs sind wir besonders stolz. Die Riesenschildkröten haben wir in anderen Zoos platziert. Derzeit haben wir einen Bestand von rund zwölf Schildkröten. 



Nach welchen Kriterien platzieren Sie ein Jungtier in einem anderen Zoo?
Wir platzieren Jungtiere nur in Zoos mit einem Top-Standard. Das heisst mit anderen Worten, dass wir die Zoos berücksichtigen, welche der Vereinigung des europäischen Erhaltungsprogramms angeschlossen sind. Mit der Pflege auf Aufzucht von seltenen Tierbeständen helfen wir, die Artenvielfalt zu sichern.



Welche exotischen Tierarten sind denn heute besonders bedroht?
Beispielsweise sind Gorillas und Orang-Utans bedroht. Der Lebensraum Urwald wird von Menschen gerodet und gefährdet damit die Affenbestände und weitere im Urwald heimischen Tiere.



Was trägt der Zoo Zürich neben der Zucht von exotischen Tieren zur Erhaltung der Artenvielfalt bei?
Der Erlös des Masoala Regenwalds beispielsweise fliesst in Madagaskar in diverse Projekte, die helfen, den Lebensraum von Lemuren und unzähligen anderen Tierarten zu erhalten. Beispielsweise werden Landwirten Alternativen zum Abholzen der Urwälder gezeigt oder in Schulen wird gelehrt, wie das Ökosystem funktioniert.



Ist Tierarzt Ihr Traumberuf?
Ja, ich wollte schon immer Tierarzt werden! Als Kind haben mich vor allem Reptilien und exotische Tiere wie Vogelspinnen fasziniert.



Welches ist Ihr Lieblingstier?
Eigentlich sind alle Tiere in ihrer Art interessant und faszinierend. Ein Tier fasziniert mich jedoch auf eine besondere Art und Weise: die Galapagos-Riesenschildkröten

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Was fasziniert Sie an der Tierwelt im Allgemeinen?
Alle Tierarten haben sich im Laufe der Evolution an bestimmte Umweltbedingungen angepasst. Beispielsweise die lange und klebrige Zunge der Ameisenbären, das Akku-System beim elektrischen Aal oder die Nachtsichttauglichkeit der Eulen. Das sind phänomenale Leistungen und zugleich Wunder der Natur.



INFO

Folgende Tierbabys sind derzeit im Zoo Zürich zu sehen: Brillenbären, Geissen, Antilopen, Hausschweine, Guanako (Lama), Elefant, Enten, demnächst auch Störche


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Slideshow - Tiere im Zürcher Zoo
© Zoo Zürich

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