Zu Beginn wurde die traditionelle chinesische Veterinärmedizin TCVM im alten China vor allem zur Behandlung von Pferden, die als Arbeitstiere für den Transport und in Kriegen eingesetzt wurden, angewendet. Heute wird TCVM bei fast allen Tierarten, besonders bei Hunden, Pferden, aber auch Katzen und Nutztieren eingesetzt. «Dass TCVM auch bei Tieren hilfreich sein kann, ist in der Schweiz noch nicht allen Tierhaltern bekannt.

Es braucht noch einiges an Aufklärungsarbeit», sagt die Tierärztin Dr. Susanne Stocker, die in ihrer Praxis auch TCVM praktiziert. Die TCVM basiert auf fünf Therapieverfahren: Akupunktur, chinesischer Kräuterkunde, Ernährungslehre, Tuina-Anmo (einer chinesischen Massagetechnik) sowie einem gesunden Lebensstil. Die Behandlung erfolgt meistens durch Kombination dieser Methoden.

«Nach Erstellen der TCVM-Diagnose werden die passenden Akupunkturpunkte genadelt und eine individuelle Kräuterrezeptur zusammengestellt. Oftmals muss auch die Ernährung angepasst werden», so Dr. Stocker.

Tier ganzheitlich betrachten

Die Akupunktur ist ein wesentlicher Bestandteil der TCVM und wird vor allem bei schmerzhaften Erkrankungen des Bewegungsapparates, Lähmungen, sowie bei chronischen Erkrankungen wie Allergien, Hautproblemen, Epilepsie, chronischen Erkrankungen der Atemwege oder des Magen-Darmtraktes angewendet.

Welche konkreten Erfolge konnte Dr. Stocker mit Akupunktur schon erzielen? „Anfang dieses Jahres wurde mir beispielsweise Joice, eine 20jährige Katze vorgestellt, die vermutlich durch einen Sturz von der Treppe solche Rückenschmerzen hatte, dass sie kaum mehr laufen konnte.

Ihr Rücken war wie eine Banane nach rechts gekrümmt und der Schwanz schleifte am Boden entlang. Schon nach einer Akupunktur-Behandlung in Kombination mit Chiropraktik konnte eine deutliche Verbesserung beobachtet werden. Nach vier Behandlungen im Abstand von einer Woche konnte Joice wieder normal gehen und sogar aufs Sofa springen. Auch den Schwanz kann sie inzwischen wieder nach oben strecken“.

Damit die Behandlung so erfolgreich verlaufen kann, braucht es laut Stocker vor allem auch die Motivation des Tierhalters, eine längere Therapiedauer in Kauf zu nehmen. „Man darf von der TCVM keine Wunder erwarten und es braucht bei chronischen Erkrankungen manchmal einiges an Ausdauer. Aber in den meisten Fällen lohnt es sich!“, so Dr. Stocker abschliessend.