Herr Dr. Triebel, worin unterscheiden sich eigentlich die beiden Krankheiten Arthrose und Rheuma?

Arthrose ist eine Gelenkerkrankung, bei der der Knorpel angegriffen wird. Im Begriff Arthrose kommt «ose» vor. In der Medizin versteht man darunter eine Degeneration. Die Gelenke bei Arthrose schmerzen, weil die Knorpelschicht angegriffen wird.

«Rheuma» ist ein Überbegriff für viele Erkrankungen des Bewegungsapparates, im Volksmund handelt es sich bei Rheuma um die Autoimmunkrankheit «Rheumatoide Arthritis».

Auch bei Rheuma schmerzen die Gelenke, aber aus einem anderen Grund. Hier ist das Immunsystem gestört, wodurch eine Entzündung der Gelenke ausgelöst wird. Der Entzündungsvorgang lässt den Körper unter anderem schneller altern. Man kann also sagen: Wer unter Rheuma leidet, altert schneller.

Viele Ex-Sportler leiden irgendwann an einem Arthrose-Problem. Haben diese in ihrer Aktivzeit massgebende Fehler gemacht, vor denen man junge Menschen heute warnen sollte?

Marathonläufer leiden nicht häufiger unter Arthrose als andere. Das Gelenk funktioniert nicht wie ein Autoreifen, der bei vermehrtem Gebrauch schneller abgenützt wird. Eine gewisse, aber nicht übertriebene Belastung der Gelenke ist sogar von Vorteil, weil dadurch Gewebe auf- statt abgebaut wird. Wenn Sportler Arthrose bekommen, hängt das häufig mit einer sportlichen Verletzung zusammen.

Ehemalige Fussballspieler, die den Meniskus entfernen liessen, entwickeln praktisch ausnahmslos Arthrose. Eine Arthrosegefahr besteht auch bei gewissen Berufen.

Wenn man täglich stundenlang einen Presslufthammer bedient, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, nach einigen Jahren Beschwerden am Handgelenk zu spüren, weil sich der Knorpel abbaut. Eine weitere Arthrose-Gefahr resultiert bei einer Fehlstellung der Beine oder bei Übergewicht.

Wie sieht es diesbezüglich bei der Autoimmunkrankheit Rheuma aus?

Bei Rheuma ist die Ursache einesteils in der Genetik zu suchen. Wenn dazu entsprechende Umweltfaktoren wie zum Beispiel Übergewicht oder Rauchen kommen, kann die Krankheit entstehen.

Zu Rheuma, ein Sammelbegriff für die unterschiedlichsten Krankheitsbilder, gehören Erkrankungen von Knochen, Gelenken und umgebenden Weichteilen. Die häufigste Form einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung ist die rheumatoide Arthritis.

Gelenkschmerzen werden sowohl durch Rheuma wie auch durch Arthrose verursacht. Ist die Therapie völlig unterschiedlich?

Ja, deshalb muss auch eine klare Diagnose erstellt werden können, und zwar möglichst früh. Bei Arthrose sind bei der Behandlung die Themen Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung von zentraler Bedeutung, wozu neben Medikamenten auch Injektionen in das betroffene Gelenk gehören.

Wichtig ist es, ein allfälliges Übergewicht zu reduzieren. Auch bei Rheuma wird das Schwergewicht auf entzündungs- und schmerzhemmende Medikamente gelegt, ebenso auf Biologika (biotechnologisch hergestellte Basismedikamente), die bei Arthrose nicht helfen.

Operationen sind bei Arthrose in späteren Stadien ebenfalls eine Option, bei Rheuma dagegen kaum mehr. Früher gab es ganze Zentren, in denen Handchirurgie bei Rheumakranken praktiziert wurde.

Diese Methode ist heute dank viel besseren Medikamenten nahezu ausgestorben. In beiden Fällen – Arthrose und Rheuma – macht Physiotherapie Sinn. Sie sollte am besten in Eigenverantwortung mit aktiver Bewegung durchgeführt werden.

Apropos Bewegung: Welche Sportarten würden Sie empfehlen?

Grundsätzlich: Sport ist in beiden Fällen gesund. Bewegungsformen mit geringer Gelenkbelastung sind besonders geeignet. Also beispielsweise besser Aqua-Joggen statt Joggen. Auch Skilanglauf und Velofahren sind gut, am besten täglich während mindestens einer halben Stunde. Die Intensität sollte so hoch sein, dass man ins Schwitzen kommt.

Welche Einflussfaktoren auf die Krankheiten Arthrose und Rheuma hat die Ernährung?

Man sagt, dass übermässiger Fleischkonsum vermieden werden sollte, ebenso von Süssgetränken und Alkohol, wobei dies alles beispielsweise zu Gicht führen kann.

Für den Knochenaufbau wertvoll sind Kalzium (aus Milchprodukten) und genügend Vitamin D, wobei Letztgenanntes nur in den Sommermonaten mit einer normalen Ernährung allein zu erreichen ist.

Neu in den Fokus der Wissenschaft ist die Darmflora gekommen. Dabei geht es um die Rolle der Darmbakterien bei chronisch entzündlichen Erkrankungen wie etwa der rheumatoiden Arthritis. Auf diesem Gebiet wird gegenwärtig stark geforscht.

Die Chancen für ganz neue Erkenntnisse stehen gut. Zurzeit wird untersucht, ob die Transplantation fäkaler Mikroben Gelenkentzündungen dämpfen kann.