Zu den «Alten» gehört man mit 65 Jahren heute nicht mehr

Und wenn man von selbstbestimmtem und würdigem Leben bis ins hohe Alter spricht, denkt man meist an die letzte Altersstufe, die irgendwann um die 80 beginnt.

Damit diese Jahre lebenswert bleiben, müssen die Menschen die Jahre zuvor nutzen.


Selbstbestimmtes Leben setzt voraus, dass man selber aktiv bleibt.


Wer körperlich rüstig bleibt, ist auch im Geist beweglicher, kann mehr Erfahrung aufnehmen und weitergeben.

Jedermann ist selber verantwortlich, dass er die entsprechenden Vorbereitungen trifft. Das beginnt bei der Wahl der Wohnung, die hindernisfrei und in der Nähe des öffentlichen Verkehrs und der Einkaufsmöglichkeiten liegen sollte.

Dass man am sozialen Leben teilnehmen soll, scheint heute selbstverständlich. Wer sich abschliesst und zurückzieht, wird schnell unselbstständig und abhängig.

In den meisten grösseren Orten gibt es heute Altersorganisationen, welche das soziale Leben erleichtern. Dabei geht es nicht nur um Freizeitaktivitäten, sondern auch um Hilfestellung gegenüber den Behörden.

Die Schweiz kippt langsam vom Wohlstandsland in einen Fürsorgestaat

Laufend werden neue Gesetze und Verordnungen erlassen, die Alltagsdinge regeln und oft zu umständlichen Abläufen führen – meist überflüssig und aus einer momentanen Situation heraus. Damit ist aber nur wenigen Personen gedient.

Die meisten von uns fühlen sich zunehmend abhängig und am Gängelband zahlreicher Behörden, Institutionen oder Fürsorger. Das beginnt nicht erst mit dem «Alter». Aber wer abhängig wird, verliert einen Teil seiner Selbstständigkeit und Würde.

Wer abhängig ist, verliert oft auch die Möglichkeit des Widerspruchs und des freien Entscheides. Er glaubt nicht mehr an sich und seine Möglichkeiten – dafür aber wird er einfacher zu beeinflussen.

In den meisten Fällen erfolgt dieser Abbauprozess nicht mit schlechtem Willen – die Abhängigkeit kommt schleichend. Und in vielen Fällen braucht es auch die Fürsorglichkeit. Bei Gebrechen oder Demenzkrankheiten ist Unterstützung angesagt.

Aber wir haben eine Fürsorge-Industrie aufgebaut, die wir uns kaum mehr leisten können. Es gibt ja nicht nur die Altersfürsorge. Man denke nur an das Asylwesen, in welchem sich mehr Fürsorger tummeln als Asylbewerber. Oder an die Kesb, die die zu Betreuenden allzu oft als «Fälle» abwickelt, ohne mit den Betroffenen zu sprechen.

Man kann die Entwicklung nicht zurückdrehen

Die Zeit, als die Grosseltern bei den Kindern und Enkeln leben konnten, ist vorbei. Wir haben aber die Pflicht, diesen älteren Personen, welche ein Leben lang für die nächsten Generationen gearbeitet haben, würdevolle und existenzsichernde Rahmenbedingungen zu schaffen.

Und da wird es konkret:

  • Wir brauchen Architekten und Baumeister, welche die Wohnungen altersgerecht anlegen.
  • Wir brauchen Verkehrsplaner, die die Strassen so konzipieren, dass auch ältere Menschen ohne Angst auf die Strasse gehen können.
  • Wir brauchen Grünphasen bei Verkehrsampeln, welche die Fussgänger nicht zum Spurt zwingen.
  • Wir brauchen im öffentlichen Verkehr und in den Läden neben digitalen Wunderentwicklungen auch Menschen, die bei Fragen antworten können.

Die technischen Neuerungen führen oft nur zur Entlastung der entsprechenden Verwaltungen, wobei deren Personalbestand dennoch laufend steigt. Wir brauchen Behörden, welche nicht nur Schreibtischentscheidungen treffen, sondern zu den Betroffenen gehen und sie ernst nehmen. Wir brauchen eine Medizin, bei der Menschen nicht nur «Fälle» sind.

Kurz gesagt:

Wir brauchen eine Gesellschaft, welche den sozialen Umgang miteinander wieder lernt und lebt. Und dies nicht nur wegen der «Alten». Die Gesellschaft weist auch Kinder auf, welche ähnliche Bedürfnisse haben, weniger Bemittelte, die von einem würdevollen Leben nur träumen können.

Wir brauchen eine Gesellschaft, die Anteil nimmt, die sich engagiert, aber nicht Fälle abwickelt. Wenn es uns gelingt, die Gesellschaft in diese Richtung zu bewegen, können wir alle würdevoll und selbstbestimmt leben.