Das Leben mit Kindern ist eine wunderschöne Sache, aber sie bringt Eltern manchmal auch an ihre Grenzen. Denn Kinder erziehen ist eine tägliche Herausforderung. Einverstanden?

Grundsätzlich ja. Herausforderung hat für mich aber einen etwas negativen Beigeschmack. Wichtig ist mir in diesem Zusammenhang die Erkenntnis, dass Eltern, die zu sich selber gut schauen, mit diesen Herausforderungen in der Regel besser zurechtkommen.

Sie sind Mutter zweier Töchter. Wie meistern Sie denn diese Herausforderungen?

Meine beiden Töchter befinden sich jetzt in der Pubertät. Das ist oft keine einfache Phase.

«Ganz wichtig ist es hier, selber ein gutes Vorbild zu sein»

Wenn ich aber mit mir selber im Reinen bin, kann ich die täglichen Herausforderungen besser meistern. Wichtig ist auch, dass man die Kinder früh zur Selbstständigkeit erzieht und ihnen nicht ständig dreinredet.

Stichwort Gelassenheit. «Ich bleibe ruhig, rege mich nicht auf und lasse mich von meinem Kind nicht provozieren.» Wie einfach oder eben wie schwierig ist es, eine solche Haltung einzunehmen?

Es ist ganz sicher einfacher, wenn man auch auf die eigenen Bedürfnisse achtet. Man regt sich schneller auf, wenn man selber gereizt ist. Alles für die Kinder aufzuopfern und sich selber dabei ganz zu vergessen: Diese Haltung rächt sich irgendwann.

Mein Kind fordert mich heraus. Diese Herausforderung nehme ich an. Das ist oft einfacher gesagt als getan.

Das ist in der Tat so. Viele Eltern reagieren aber oft erst, wenn der Konflikt schon da ist. Wichtig ist, dass man sich bereits vorher Gedanken macht und nicht erst dann, wenn das Haus bereits brennt.

Heute wird viel von Erziehungsnotstand gesprochen. Woran liegt das – anders gefragt: Was machen Eltern falsch?

Falsch oder richtig: Diese Kategorien sind für mich fragwürdig. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man es machen kann. Und ganz wichtig: Weniger ist oft mehr. Oft sollte man sich einfach auch auf den gesunden Menschenverstand verlassen. Vor lauter Erziehungstipps lassen sich viele Eltern verunsichern.

Wie soll ich mich verhalten, wenn mein Kind nicht auf mich hört?

Hier eine pauschale Antwort zu geben, ist schwierig. Eigentlich müsste man ja das Kind dann bestrafen. Viel sinnvoller ist es, wenn man sich überlegt, weshalb das Kind nicht auf einen hört.

Vielleicht ist es abgelenkt oder eifersüchtig auf sein kleines Geschwisterchen. Wichtig ist, dass man dem Kind klare Anweisungen gibt. Es soll wissen, was man von ihm erwartet.

Wie bringe ich meinem Kind bestimmte Regeln bei?

Ganz wichtig ist es hier, selber ein gutes Vorbild zu sein. Ich rate den Fokus darauf zu legen, wo etwas gut funktioniert und immer wieder positive Feedbacks zu geben, wenn es zum Beispiel seine Sachen aufräumt und versorgt. Probleme sollten gemeinsam besprochen werden.

«Deine Sachen liegen immer rum. Hast du selber eine Idee, wie man das besser machen könnte.» Solche Fragen können zum Ziel führen. Ich rate auch dazu, Probleme grundsätzlich mit Humor und Fantasie anzugehen. Man kann zum Beispiel gemeinsam mit den Kindern ein Regelblatt aufstellen.

Info

Kathrin Buholzer führt den Blog elternplanet.ch.