Eltern haben oft einen schweren Stand

Sie versuchen mit mehr oder weniger grossem Erfolg, ihren Nachwuchs von Kindsbeinen an vor ungesunden Verlockungen beim Essen zu schützen. Die Anstrengungen sind lobenswert und können sich auszahlen. 

Ernährungswissenschaftler sind nämlich überzeugt: Die in der Kindheit erlernten Essgewohnheiten wirken prägend für das ganze Leben. Schon Neugeborene entwickeln ein optimales Gefühl für Hunger sowie Sattsein und sind in der Lage, die vier Geschmacksrichtungen süss, sauer, bitter und salzig zu unterscheiden. Bereits im Alter ab etwa acht Jahren lassen sich die Essgewohnheiten in den meisten Fällen kaum mehr ändern.

Die wichtigsten Bezugspersonen wie Eltern oder Grosseltern sollten deshalb grossen Wert darauf legen, die Sprösslinge so früh wie möglich für gesundes Essen zu begeistern, und auch wissen, dass sich Kinder in der Ernährung stark an Vorbildern orientieren.  

Stoffwechsel auf Hochtouren

Weil der Stoffwechsel von Kindern periodisch auf Hochtouren läuft, ist der Nachschub von gesunden Lebensmitteln besonders wichtig, einige Nährstoffe sogar im besonderen Mass: Dazu zählen Calcium für die Knochen, Eiweiss für das Wachstum und Vitamine für das Immunsystem.

Nach Möglichkeit täglich auf den Tisch gehören deshalb frisches Obst und Gemüse sowie Vollkorn- und Milchprodukte.

Nahrungsergänzungsmittel sowie Lebensmittel, denen Vitamine und Mineralstoffe künstlich zugesetzt werden, sind für Kinder normalerweise nicht nötig. Es bestehe je nachdem sogar die Gefahr einer Überversorgung, warnen Ernährungsprofis.

Eine Anregung: Setzen Sie der Jungmannschaft so früh wie möglich ungesüsste Früchte- oder Kräutertees sowie Wasser vor. Die Auswahl von Getränken ist für die Gesundheit des Kindes von grosser Bedeutung. Kaum ein Lebensmittel spielt in der Kinderernährung zudem eine derart zentrale Rolle wie die Milch.

Milch gilt als wichtige Calciumlieferantin, die Knochen und Zähne stärkt. Es gibt allerdings auch Wissenschaftler, die vor einem zu hohen Milchkonsum warnen. Mehr sei nicht automatisch besser.

Fantasie gefragt

Leider verschmähen kleine Kinder oft Nahrungsmittel, die besonders reich an Mineralstoffen sind, wie etwa Spinat oder Brokkoli. Ein Tipp von Ernährungsprofis: Beziehen Sie Ihre Kinder bei der Planung und Zubereitung von Mahlzeiten wenn möglich mit ein. Das erhöht das Interesse und die Bereitschaft der Kleinen, sich gesund zu ernähren.

Manchmal ist allerdings Fantasie gefragt, wenn sich Kinder zum Beispiel gegen «ungeniessbares» Gemüse zur Wehr setzen. Eine Alternative kann leicht süssliches Gemüse sein, das in aller Regel durchaus geliebt wird, also etwa Rüebli, grüne Erbsen oder Maiskörner.

Auf den Speiseplan von Kindern sollte auch Fisch gehören. Die Schilddrüse bekommt dadurch das wichtige Jod, und Omega-Fettsäuren sind gut für Herz, Kreislauf und Gehirn. Eltern tun aber gut daran, ihren Nachwuchs an gegrillten und nicht (fettigen) frittierten Fisch zu gewöhnen.

Ernährungsprofis raten vom Verbot von Süssem ab, weil das sonst nur im Geheimen gemacht werde. Hingegen sollte man eine gute Auswahl treffen. Schokolade ist besonders bei einem hohen Kakaogehalt (ab 70 Prozent) gesund, ebenso Trockenfrüchte wegen ihres hohen Mineralstoffgehalts.

Vegane Nahrung für Kinder?

Ob Fleisch, Fisch, Eier oder Milchprodukte. Viele Produkte decken den täglichen Bedarf an Eiweiss in aller Regel in genügendem Ausmass ab. Eine Ausnahme bilden Veganer, die sowohl auf Fleisch und Fisch wie auch auf sämtliche Lebensmittel tierischen Ursprungs, also auch Eier und Milchprodukte, verzichten.

Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) rät grundsätzlich davon ab, Babys und Kinder vegan zu ernähren. Wer sich nicht an diese Regel halten will, sollte zumindest dauerhaft ein Vitamin-B-12-Präparat einnehmen und auf eine ausreichende Zufuhr an kritischen Nährstoffen achten.

Neben B 12 gelte es bei einer veganen Ernährung vor allem für eine alternative Versorgung mit Eisen, Calcium, Jod sowie Vitamin D zu sorgen.

Gemeinsam Essen

Und last, but not least: Leider ist das gemeinsame Kochen und Essen am Familientisch vielenorts im wahrsten Sinne des Wortes vom Tisch. Das passt nicht mehr zu den individuellen Lebensrhythmen und zu knappen Mittagspausen am Arbeitsplatz.

Zumindest am Wochenende sollte man sich aber Zeit nehmen, zusammen zu essen und im Idealfall auch zusammen mit den Kindern zu kochen. Essen bedeutet nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern auch, Zeit miteinander zu verbringen. Die Kinder lernen dadurch, gesunde Ernährung mit gesunden Gefühlen zu verbinden.