Seit es immer schwieriger wird, eine Kinderärztin oder Hausärztin zu finden, versuchen zusätzlich immer mehr Berufsgruppen, diese Lücke zu schliessen.

Entweder, indem sie sich neu auch um Kinder kümmern (zum Beispiel Hebammen um Säuglinge bis fünf oder mehr Wochen) oder ihr Tätigkeitsfeld ausweiten (zum Beispiel Abgabe rezeptpflichtiger Medikamente durch die Apotheker).


Nach der Geburt kümmern sich** Stillberaterin, Hebamme, Mütter- und Väterberaterin, Manualtherapeutin, Atlasmasseurin, Chiropraktorin und Kinderärztin um den Säugling. Beim Kleinkind kommen Spielgruppe, Fördergruppe etc. hinzu.

Hat Ihr Kind womöglich Probleme, wird es turbulenter; dann kommen noch heilpädagogische Früherzieherin, Physiotherapeutin, Logopädin und Ergotherapeutin hinzu. Beim Kleinkind brauchen die meisten Therapeuten eine ärztliche Verordnung, so dass die Kinderärztin noch koordinieren kann.

Hat das Kind schwerwiegende Gesundheitsprobleme, kommt auch die Kinderärztin ins Schwitzen. Nun kommen noch verschiedene ärztliche Spezialistinnen hinzu und es werden weitere Therapien verordnet und das Kind anderen Spezialisten zugewiesen, so dass die Eltern oft sehr schnell keine freien Termine mehr haben.

Bleiben wir aber beim Kind mit keinen oder weniger gravierenden Gesundheitsproblemen. Es kommt in den Kindergarten respektive in die Schule und dort wird es mit Legasthenie, Logopädie, Dyskalkulie, Nachhilfe, Deutsch für Fremdsprachige, Leseclub, Psychomotorik unterstützt.

Die Schulpsychologin hilft hier und klärt ab und empfiehlt der Schule Massnahmen. In grossen Schulgemeinden gibt es noch spezialisierte Schulärztinnen. Immer mehr Schulen haben eine Schulsozialarbeiterin, die vor allem bei sozialen Problemen hilft. Die Kinderärztin braucht es oft nur noch bei medizinischen Notfällen.

Für sie kommt erschwerend hinzu, dass viele Therapeutinnen und Abklärende die Kinder direkt an diverse ärztliche Spezialisten weiterweisen, die dann zum Teil ohne Kenntnis der Vorgeschichte untersuchen und Therapien verordnen.
Nicht zu vergessen, das Heer von alternativmedizinischen Therapeutinnen.

Oder bei Sportlern kommen noch die Trainerinnen und Sportärztinnen hinzu, die auch versuchen, die Gesundheit respektive die sportliche Leistungsfähigkeit ihrer Kinder zu verbessern. Habe ich noch jemanden vergessen? Mit Sicherheit!

Es besteht die Gefahr, dass unkoordiniert behandelt wird, ohne Übersicht und Planung. Dadurch wird schnell zu viel oder das Falsche gemacht. Wie können sie als Eltern oder wir als Behandelnde dies verhindern? Man muss sich gegenseitig informieren, absprechen und vernetzen.

Hier fehlt manchmal der Wille, man denkt nicht dran oder das Arzt- oder Berufsgeheimnis verbietet die direkte Kontaktaufnahme. Sie als Eltern können den Beteiligten erlauben, miteinander zu sprechen, sich zu vernetzen, sie zwingen, sich gegenseitig zu informieren, selbst Berichte weiterleiten oder runde Tische anregen.

Dies ist anstrengend und mühsam, aber ihr Kind wird profitieren. Die Kinderärztin muss nicht der Chef sein und alles bestimmen, aber sie bietet sich an, die Berichte zu sammeln und Sie zu beraten.

Ich wähle weibliche Form, weil sich in fast allen Gesundheits- und pädagogischen Berufen mehrheitlich Frauen um Ihre Kinder kümmern.

** Die folgenden Aufzählungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.